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"Wie ist es um das Feld meines Lebens bestellt?"
Impuls
„Willst du, dass wir auf das Feld gehen
und das Unkraut ausreißen?“ –
„Tut das nicht, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut
auch den Weizen aus! Lasst beides bis zur Ernte wachsen.“
(Matthäus 13, 28-30)
Heute scheint sich diese Frage gar nicht erst zu stellen. Durch die modernen Anbaumethoden hat Unkraut keine Chance. Nur die Nutzpflanze bleibt übrig. Moderne Herbizide machen es möglich. Monokulturen haben fatale Folgen für die Vielfalt von Lebewesen. Zahlreiche Pflanzenarten gelten als gefährdet. Die Population der Insekten und der Vogelbestand sind drastisch zurückgegangen. „Wenn ihr anfangt auszusortieren, macht ihr alles kaputt“, sagt der Bauer zu seinen voreiligen Mitarbeitern. So erzählt es Jesus.
Monokulturen entstehen nicht nur in der Pflanzenwelt. Monokulturen wachsen auch in unserem menschlichen Zusammenleben. Überall auf der Welt gibt es die gleichen Fastfood-Ketten. Überall beherrschen die gleichen Konzerne auch die digitale Welt.
Mancherorts gibt es Versuche, auch menschliche Gemeinschaften nach Art von Monokulturen zu gestalten. Dabei wird nach verschiedenen Merkmalen sortiert. Es kann das Geschlecht sein oder die Herkunft, die Hautfarbe oder die vermeintliche Leistungsfähigkeit. Unterschieden wird nach beliebigen oder erdichteten Eigenschaften. Oft wird die Religion als Trennungszeichen missbraucht: Hier sind die wahren Gläubigen, dort die Ungläubigen. Immer haben Versuche, menschliche Monokulturen zu erzwingen, furchtbare Folgen.
„Wenn ihr anfangt auszusortieren, macht ihr alles kaputt.“ Das Gleichnis Jesu gibt einen Hinweis für unser Zusammenleben. Ich verstehe ihn so: Wie gut, dass wir Menschen verschieden sind. Haltet die Mehrdeutigkeit aus. Jede Person hat ihre Besonderheiten und ist einzigartig. Davon bin ich überzeugt: Der Gott, der uns Menschen in so großer Vielfalt geschaffen hat, will nicht, dass einzelne Menschengruppen aussortiert werden.
Wie ist es um das Feld meines Lebens bestellt? Muss immer alles eindeutig sein, entweder schwarz oder weiß? Oft sind es die Zufälle, die Umwege, die das Leben schön machen. Am Ende bin nicht ich es, der entscheidet, was die Nutzpflanze und was das Unkraut meines Lebens war. Wie gut – ich kann offen sein für die Zukunft und mich um das kümmern, was jetzt an der Zeit ist.
Pastor Dr. Bernd Kuschnerus
Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche