spenden!
"Der Regenbogen-Gott und die Bäckerin"
Impuls
Die Innere Mission wird auf dem Bremer CSD unter dem Motto „Generationen voller Pride – glücklich, sichtbar, stark“ mit einem Wagen dabei sein. Die Regenbogenfahne vor dem Haus der Diakonie in Bremen zu flaggen, um Haltung für Vielfalt, Geschlechtergerechtigkeit und Zusammenhalt zu zeigen, ist nicht neu für uns. Dass der Vorstand die Teilnahme am CSD mit einem Wagen ermöglicht, schon und dass wir bald eine Disability Inklusive Progressive Pride Flagg haben werden, um uns solidarisch mit der LGBTQIA+-Bewegung zu zeigen. Als Innere Mission machen wir in diesem Kontext unsere Haltung sichtbar und wenden uns gegen jegliche Formen von Ausgrenzung oder Gewalt, die Menschen erleben, insbesondere aufgrund ihrer sexuellen Identität, individuellen Lebensentwürfe, Beeinträchtigungen oder Herkunft.
Die schreckliche Gewalttat auf dem Berliner CSD vor wenigen Wochen hat mich, wie viele andere tief erschüttert. Darum halte ich an dieser Stelle inne. Still mitfühlend will ich einen Augenblick der Opfer und Betroffenen gedenken, indem ich meine Augen entlang des Regenbogens wandern lasse. Wer mag, möge es mir gleichtun, bevor es ans Weiterlesen geht.

„Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn der Himmel und Erde gemacht hat. Der Bund und Treue hält ewiglich und der nicht preis gibt das Werk seiner Hände.“ Zu Beginn eines Gottesdienstes leuchtet in diesen Worten der Regenbogen als biblisches Zeichen Gottes für seinen Bund mit den Menschen und dieser Erde auf. Es braucht keinen menschlichen Einfluss, nur Regenwasser und Sonnenlicht, damit sich ein Regenbogen am Himmel von einem Ende am Horizont zum anderen spannt. So scheint es. Dabei hat ein Regenbogen weder Anfang noch Ende. Tatsächlich ist er ein Kreis, in dem Regentropfen das Sonnenlicht brechen und reflektieren. Unsere Augen sehen die für sie sichtbaren bunten Farben des Spektrums des Sonnenlichtes in einem Bogen, von dem ein Teil vom Horizont verdeckt wird. Der Regenbogen ist ein bleibendes positives universelles Symbol. Es lässt sich nicht vereinnahmen. Schon gar nicht, um Menschen mit Worten und Taten aus Hass und Hetze zu verletzen.
Darum ist der Regenbogen ein so passendes Zeichen für Gott, der sich auch nicht vereinnahmen lässt. Gott bleibt souverän der „Ich bin, der ich bin“ oder „Ich bin, der ich sein werde“, und gleichwohl erzählt die Bibel von Gott in vielfältigen, auch weiblichen Bildern. Sie erzählen vom Wirken Gottes in der Welt, Himmel und Erde verbindend, um ganz nah bei den Menschen zu sein. Mal als Leben bewahrender Regenbogen-Gott oder wie im Gleichnis vom Sauerteig als Bäckerin. Damit erklärt Jesus wie Gottes Reich, sein Himmelreich auf Erden das Leben der Menschen durchwirkt: „Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig. Eine Frau nimmt eine Hand voll davon, mengt ihn unter einen halben Sack Mehl, und am Ende ist die ganze Masse durchsäuert.“ *
Gott die Bäckerin setzt sorgfältig das Sauerteig-Mehl-Gemisch an. Im Sauerteig arbeiten viele Mikro-Organismen und durchsäuern das Ganze. Wer schon mal Sauerteigbrot gebacken hat, weiß, der Teig braucht Zeit, Wärme und liebevolles Kümmern. Dann bleibt er auf ewig und sorgt immer wieder für lockeres, bekömmliches Brot, das lange frisch hält. Er fördert, eine Menge komplexe Aromen im Brot zu Tage, die viele köstliche Geschmacksnuancen hervorzubringen. Jesus sagt, so wie der Sauerteig wird sich auch das Himmelreich unter den Menschen ausbreiten. Es wird dem Leben der Menschen auf der Erde dienen, weil es Gerechtigkeit aufwachsen lässt, Frieden und Versöhnung stiftet. Denn im Reich Gottes leben Menschen sichtbar ein Leben in Würde. Jede:r ist von Gott geliebt und gleichwertig angesehen in der Gemeinschaft. Im Himmelreich auf Erden herrscht Einheit in der Vielfalt. Das ist unsere Stärke. Wie an Bund und Treue Gottes, erinnert der Regenbogen auch daran. Glück verdoppelt sich, wenn es geteilt wird und zu einem Bund gehören immer mindestens zwei. Soll heißen Mitwirken ist erwünscht. Das Rezept für das Himmelreich auf Erden verbreitet sich, wenn Generationen es untereinander teilen.
Pastorin Ute Schneider-Smietana
Vorstandssprecherin Innere Mission in Bremen
* Matthäusevangelium, Kap. 13, 33