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"Herbstmomente in der Hosentasche"
Impuls
Es wird Herbst. Kürbisgerichte schmecken wieder besonders gut, wir genießen die letzten Sonnenstrahlen und vielerorts werden die Gartenmöbel ins Winterquartier gebracht. Die gemütliche Jahreszeit beginnt.
In diesem Jahr habe ich wieder eine Kastanie in meiner Hosentasche. Ich mag es, sie in die Hand zu nehmen: Die glatte Schale zu spüren, mit dem Daumen darüberzustreichen. Wenn ich sie länger halte, wird sie warm. Eine kleine Pause, mitten am Tag.
Zwei weitere sollen dazukommen. Meine Idee: Morgens stecken alle drei in der linken Tasche. Erlebe ich etwas, für das ich dankbar bin, wandert eine nach rechts: Ein freundliches Wort zwischen zwei Terminen, ein Gespräch, in dem wir einander verstehen, ein goldener Herbstmoment an der frischen Luft.
Abends kann ich die Kastanien noch einmal in die Hand nehmen und mich an das erinnern, was mir heute gutgetan hat. Es ist erstaunlich, was sich verändert, wenn ich meinen Blick bewusst darauf richte. Es steckt viel Wahrheit in dem Satz: „Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ (G.H. Morrison)
Natürlich gibt es auch die anderen Tage: Solche, die vor allem Müdigkeit hinterlassen: Ein Gespräch geht mir nach. Ich frage mich, ob ich einem Menschen gerecht geworden bin. Dann bleibt vielleicht eine Kastanie links. Oder alle drei.
Auch das hat bei Gott seinen Platz. Was gelungen ist und was schwer auf mir liegt. Dank und Klage. Denn Gott bleibt uns nahe, auch wenn wir heute wenig Grund zur Freude finden.
Dann erinnern die Kastanien in der linken Hosentasche daran: Auch ich brauche Zuwendung. Einen Menschen, der zuhört. Zeit zum Durchatmen. Wärme, die bei mir ankommt.
In diesem Sinne wünsche uns einen segensreichen Herbst: Reich an (herz)wärmender Zuwendung und voller Momente der Dankbarkeit
Inga Schönfeld
Pastorin – Stabsstelle Seelsorge