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„Mir ist ein Stein vom Herzen genommen“
Impuls
Mir ist ein Stein vom Herzen genommen
Ich fragte:
Wer wird mir den Stein wegwälzen
vom Grab meiner Hoffnung
den Stein von meinem Herzen
diesen schweren Stein?
Mir ist ein Stein vom Herzen genommen:
meine Hoffnung, die ich begrub
ist auferstanden
wie er gesagt hat
er lebt er lebt
er geht mir voraus!
(Lothar Zenetti)
Da fällt mir ein Stein vom Herzen!“ Solch einen Moment großer Erleichterung spüre ich auch noch nach Jahren, wenn ich mich an die eine oder andere Situation meines Lebens erinnere.
Ich arbeite als Krankenhausseelsorger im DIAKO. Im Laufe der Jahre sehe ich immer deutlicher, dass Hoffnung eine der stärksten Kräfte ist, die es in Krisen und Krankheitszeiten braucht. Und dass aber auch eine starke Hoffnung bei langen Behandlungsverläufen und bei lebensverkürzenden Erkrankungen immer wieder neu Kraft aufbringen muss, um nicht unterzugehen.
Es gibt Situationen, wenn die bei uns Menschen ins Leben brechen, dann beginnt in uns ein Tauziehen zwischen Hoffen und Bangen. In meinem Arbeitsalltag begegnen mir viele Menschen, denen es so ergeht. Jeder Mensch geht individuell verschieden mit einer existenziellen Krise um. Manche schwören auf die Kraft positiven Denkens – und einige von ihnen sind in Sorge: Was wird geschehen, wenn die Kraft dazu ausbleibt? Andere gehen eher vom schlimmsten Ausgang einer Situation aus, um die Gefahr zu vermeiden, enttäuscht werden zu können. Alles ganz individuell, je nachdem, was die eigene Lebensgeschichte einem an Möglichkeiten und Erfahrungen zugespielt hat.
Hoffnung ist dabei eine der stärksten Kräfte. Und sie ist lebendig. Manchmal mag sie enttäuscht werden und etwas entwickelt sich nicht so, wie erhofft. Dann aber hat Hoffnung die Möglichkeit, sich zaghaft wieder aufzurichten und zu versuchen, sich auf ein neues Ziel auszurichten. Ich erlebe Menschen, deren Hoffnung zunächst lautet: „Alles wird gut!“ und sich nach vielen Wandlungsprozessen schließlich so äußert: „Wir hoffen, dass wir es schaffen werden.“
Ab und an rollt sich leider ein großer Stein vor die eigene Hoffnung. Zu Jesu Zeiten in Israel wurden Menschen in Felsengräbern bestattet, vor die ein großer Stein zum Verschluss gerollt wurde. Die Frauen, die am Ostermorgen den Leichnam Jesu nach seiner Beisetzung noch mit kostbaren Ölen salben wollten, fragten sich auf dem Weg dorthin: „Wer wird uns den schweren Stein wegwälzen?“ Beim Grab angekommen fanden sie es offenstehen. Der Stein war hinweggerollt. Den Verstorbenen suchten sie vergeblich. „Er ist auferstanden, wie er gesagt hatte“, wurde ihnen gesagt.
Ostern ist für mich und meinen Glauben die stärkste Quelle der Hoffnung. Als alles verloren war, schuf Gott neues Leben. Wir könnten übertragen: Als alle Hoffnung in mir schwand, gab es von irgendwoher einen Funken, der meiner Hoffnung neues Leben einhauchte. Das geschah womöglich nicht wie bei Jesu Auferweckung schon am dritten Tag. Aber womöglich im Laufe von Wochen, Monaten, Jahren. Und die Hoffnung war dann eine andere, sie hat sich neu ausgerichtet. Sie ist einmal gestorben und dann wieder auferstanden. Das hat sie verwandelt. Das hat mich verwandelt.
„Mir ist ein Stein vom Herzen genommen: meine Hoffnung, die ich begrub, ist auferstanden.“
Ich wünsche uns allen, aus der Quelle der österlichen Hoffnung schöpfend zu leben, zu glauben, zu lieben – eben zu hoffen.
Thomas Rothe
Ev. Pastor, Krankenhausseelsorger im DIAKO Krankenhaus Bremen