„Meine Kinder sind jut, die hab ick jut hinbekommen“
Wenn Stefan seine Kinder und Enkelkinder um sich hat, dann fühlt er sich mit seinem Leben versöhnt. Denn das hat ihn mächtig durchgeschüttelt und ihm seine guten, aber auch dunklen Seiten gezeigt.
Als Kind wird Stefan S. „in einem schönen Elternhaus“ geliebt. Gleichzeitig erwacht mit dem Älterwerden auch sein Wunsch nach Freiheit. Vielleicht beendet er aus diesem Drang heraus frühzeitig die Sozialpädagogen-Ausbildung und „will lieber das Leben kennenlernen“. Das begegnet ihm in verschiedenen Jobs und einer Frau, mit der er „drei wunderbare Töchter“ hat. Und es läuft eigentlich alles gut. Die Familie lebt in einem schönen Fachwerkhaus in seiner Heimatstadt Berlin, er baut einen Pferdestall zum Musikstudio um und kann dort seiner großen Liebe zur Musik nachgehen. Bis er an Depressionen erkrankt. Damit nimmt sein Leben eine komplette Kehrtwendung. Er trinkt viel, ist in der Ehe unglücklich, auch oft mit der Situation, Entscheidungen treffen zu müssen, überfordert.
Nach knapp 20 Jahren endet seine Ehe, ein Wohnmobil wird sein Zuhause. Es folgen Reisen zwischen Frankreich, Marokko und Deutschland, eine Freiheit, die er liebt, aber mitunter mit gefährlichen Situationen aufwartet, die ihn und seine damalige Lebensgefährtin psychisch mitnehmen.
Sein Lebensmittelpunkt in Deutschland ist mittlerweile Bremen. Mit seiner zweiten Frau hat er einen Sohn. Doch ein festes Leben, „eine Familie aufbauen“, kommt für ihn nicht mehr in Frage. Im Rückblick macht er die Depressionen und den Alkohol dafür verantwortlich. Wieder tritt eine neue Beziehung in sein Leben. Die Frau schlägt ihn, droht ihm, ihn umzubringen. Er bleibt trotzdem bei ihr. Erst nach der fünften Wohnraumkündigung trennt sich Stefan von seiner dritten Beziehung und sucht Anbindung über das Hilfesystem in Bremen.
Nach einer kurzen Zeit, in der er auf der Straße und in der Bremer Notunterkunft für Männer lebt, wird er vom Hilfesystem in eine Einrichtung für Drogengebrauchende vermittelt. Doch wegen seiner Alkoholsuchterkrankung wird er abgelehnt. Aber: Er kann ins Adelenstift einziehen, einer Einrichtung der Inneren Mission Bremen für wohnungslose und obdachlose Menschen mit aktivem Alkoholkonsum.
Hier lernt er, besser mit seinem Konsum umzugehen, doch es fällt ihm aufgrund seiner Depressionen schwer, glücklich zu sein. Nur wenn die Kinder oder Enkelkinder da sind, fällt die Schwere der Welt vollends von ihm ab. Aus ihnen gewinnt er Kraft und weiß: „Die sind jut, die hab ich jut hinbekommen, ick hab denen Liebe beigebracht.“