„Ich bin jetzt angekommen.“

30. Januar 2026

Silvia S. strahlt. Sie genießt die Ruhe und den Blick von der überdachten Veranda des Adelenstiftes. Gleich wird es Mittagessen geben, danach wird sie auf ihr Zimmer gehen und ein Nickerchen halten. Lange Zeit war so ein geregeltes Leben, zumal ganz ohne Alkohol, für sie nicht denkbar. Aber jetzt?  Alkohol trinkt sie schon lange nicht mehr, seit über fünf Jahren ist sie trocken. „Wenn ich irgendwo bin, wo es mir gefällt, und ich bleiben möchte, trinke ich nicht mehr.“

Das war nicht immer so. Eine Frau mit orangenem Pullover und Brille

Schon früh ist ihre Familiensituation belastet, die Mutter ist krank, der Vater überfordert, ihre beiden Schwestern übernehmen Silvias Erziehung. Mit nur 13 Jahren kommt sie ins Heim. Sie versucht den Start ins Arbeitsleben. Was erst vielversprechend beginnt, scheitert und endet mit dem erneuten Einzug ins Elternhaus. Das geht nicht gut, es gibt viel Streit. Sie entscheidet sich, ein Leben in der Obdachlosigkeit zu führen. Da ist sie gerade 20 Jahre alt.

„Ich habe ein Leben als Berberin geführt, lebte auf verschiedenen Raststätten an Autobahnen und Landstraßen in Deutschland“, sagt Silvia. Ihr Freund zu der Zeit ist extrem gewalttätig. „Er hat mich regelmäßig grün und blau geschlagen.“ Sie kommt von ihm los, dank Hartmut, einem früheren Jugendfreund, den sie heiratet. Doch auch hier kommt es zum Bruch, ihr neuer Partner wird Finn, mit dem sie zusammenzieht und dann doch wieder auf der Straße landet.

Beide machen prägende Erlebnisse während ihrer Zeit in der Obdachlosigkeit. Silvia weiß von vielen Geschichten zu erzählen, in denen Obdachlose ums Leben kamen, weil sie erfroren oder angesteckt worden sind. „Man muss aufpassen, wo man Platte macht. Ich selbst bin nachts wach geblieben und habe immer ein offenes Ohr gehabt. In der Zeit, wo ich aufs Finn Freilassung gewartet habe, habe ich kaum Alkohol getrunken – um wachsam zu bleiben“, schildert Silvia.

Eine Beratungsstelle in Emden macht Silvia und Finn auf das Adelenstift der Inneren Mission Bremen aufmerksam. Pädagogen vor Ort helfen beim Ausfüllen der Anträge und begleitet das Paar ins Stift. Schließlich können beide einziehen. Silvia ist überglücklich. Sie findet endlich das, was ihr zeitlebens versagt blieb: ein Zuhause, Sicherheit und einen Platz fürs Leben. „Ich bin jetzt angekommen.“