„Hier ist mein Herz“
Dieser eine Moment, wenn du irgendwo neu dazukommst und sofort weißt: Hier bist du richtig. So erging es Tatjana G., die im ProShop alle nur Tanja nennen. Als sie im Jahr 2012 im Secondhand-Laden in der Hemelinger Bahnhofstraße 35 zu arbeiten anfängt, da erlebt sie genau diesen Moment. „Ich bin reingegangen in das Geschäft und da ist mir mein Herz aufgegangen. Das ist seitdem meine Familie“, erzählt sie rückblickend über ihren Start im ProShop, einem kleinen Laden, der zur Abteilung Beratung & Integration der Inneren Mission Bremen gehört.

Für sie ist klar: „Hier will ich bis zur Rente bleiben. Alle sind so nett, der Chef ist nett und hilft, die Sozialpädagogen sind so lieb, ich habe hier keine Angst, ich kann alles fragen, es ist alles leicht.“ Das hat sie in früheren Arbeitsverhältnissen nicht immer so empfunden. Die gebürtig aus Omsk, Sibirien, stammende Tatjana kam 1999 mit ihrer Familie nach Deutschland. Während ihrer Zeit in Wittmund absolvierte sie zahlreiche Maßnahmen, verkaufte unter anderem Lebensmittel, „aber das war nicht meins“.
Als die Familie nach Bremen umzieht, arbeitet die heute 57-Jährige eine Zeit lang in der Küche eines Pflegeheimes. Sie fühlt sich mit der Arbeit überfordert, auch körperlich, Ängste und Selbstzweifel nagen an ihr. „Ich habe das einfach nicht geschafft“, weiß sie heute. Schließlich bietet ihr das Jobcenter an, eine sogenannte AGH-Maßnahmen im ProShop auszuprobieren. Anfangs hat sie Angst, dass es ihr erneut zu viel werden könnte. Sie stellt sich vor, sie muss mit Menschen reden, die sie vielleicht nicht verstehen, das bereitet ihr große Sorge.
Stattdessen beginnt mit der Arbeit im ProShop ihre glücklichste Zeit in Deutschland. Jeden Tag arbeitet Tanja vier Stunden im Laden, nimmt Kleiderspenden entgegen, guckt, was man waschen muss oder noch reparieren kann, sortiert ein, plauscht mit Kund:innen und Kolleg:innen – und ist glücklich. „Hier ist mein Herz“, sagt sie.
Tanja hat im ProShop herausgefunden, was ihr gut tut. Das will sie noch lange behalten. „Wenn es zwei Türen gäbe, die eine führt zu Prestige und alles ist groß, die andere führt zum Kleinen, ich gehe durch die Tür zum Kleinen. Das ist meins.“