Ein Fahrrad nach Weltraumart
Mit geübten Handgriffen klemmt Niclas M. den Fahrradrahmen im Montageständer fest. Anschließend greift er zum Schleifpapier und bearbeitet die kniffligen Stellen nach, wo die Stangen des Rahmens zusammenlaufen. Die alte Farbe soll gründlich ab, damit der neue Anstrich gut haftet. Niclas hat genaue Vorstellungen, wie er das alte Mountainbike lackieren will: schwarz mit dunkelblauem und lila Farbverlauf, „so nach Weltraumart“, ist seine Idee.
Niclas arbeitet seit zwei Monaten im Fahrradprojekt von BOT-Aktiv mit, einem Projekt aus dem Bereich Teilhabe Aktiv, welches für Menschen mit psychischer und kognitiver Beeinträchtigung verschiedene Beschäftigungs- und Arbeitsangebote vorhält. Anfangs hat er, der als Koch in der gehobenen Gastronomie gearbeitet hat, in der Tagesstätte Wichernhaus beim Kochen mitgeholfen und Essen ausgegeben. Doch nach über einem Jahr im Küchendienst wollte er etwas anderes ausprobieren. „Ich wollte Abwechslung haben und da ich gerne mit Schrauben und Schlüsseln hantiere, habe ich gefragt, ob ich hier mitmachen kann.“
Seine Anfrage kommt zur richtigen Zeit, denn BOT-Aktiv hat sein Fahrradprojekt just vorher in eine größere Räumlichkeit ausgeweitet. Einmal pro Woche, zukünftig vielleicht sogar noch öfter, hantiert der 24-Jährige nun in der Werkstatt herum. Dem hauptamtlichen Mitarbeiter Benjamin Wefers von BOT-Aktiv hilft er dann meistens, gespendete Fahrräder wieder flott zu machen. Manchmal schraubt er auch an seinem eigenen Fahrrad herum, eine feste Zeiteinteilung gibt es nicht. „Das mit meinem Fahrrad ist ein Bauprojekt, mit dem ich mir Zeit lasse. Aber das Fahrrad ist auch schon alt, das könnte älter sein als ich“, vermutet Niclas, der bei dem Gedanken schmunzeln muss.
Die Arbeit in der Fahrradwerkstatt liegt dem jungen Mann. „Man lernt hier immer dazu“, sagt er, was auch an Benjamin läge, der gut erklären könne. Er will auf jeden Fall bleiben und sich in die Arbeit reinfuchsen. Seine berufliche Erfahrung hat ihm gezeigt, dass Verständnis und eigenes Arbeitstempo nicht selbstverständlich sind. „Das ist halt selten, dass es so ist wie hier, das will ich für meine Zukunft mitnehmen.“
